Zum Ende seiner Karriere als Handball-Schiri erinnert sich Roland Muser an eine „wunderschöne Zeit“.


Das Erlebnis von Steißlingen war einschneidend. Ende der 1970er-Jahre muss es gewesen sein. Ein Gegenspieler hatte Roland Muser während einer Handball-Partie in den Arm gebissen. Er erinnert sich noch, als sei es gestern gewesen: »Ich hab’ den bis auf die Tribüne verfolgt und ihm das Trikot zerrissen. « In der Pause wollten Muser und seine Kollegen vom TuS Marlen nicht mehr zurück aufs Feld, mussten vom damaligen Trainer Eberhard Schäfer überredet werden. 9:14 lag der TuS zurück und gewann anschließend 15:14. Man kann es sich denken, wie die zweite Hälfte gelaufen ist, Roland Muser sagt nur: »Das war ausschlaggebend, dass ich gesagt habe: Ich werde nach meiner aktiven Karriere Schiedsrichter. «

35 Jahre Schiedsrichter
Er hat sich daran gehalten. 35 Jahre lang hat der Mann aus Marlen Spiele geleitet, hat es mit Peter Jehle bis in die Bundesliga geschafft, doch jetzt ist endgültig Schluss. Weil Gerhard Flammer, sein letzter Gespann- Kollege, sich verletzt hatte, hat der 66-jährige zweifache Familienvater und vierfache Opa ein Jahr schon nicht mehr gepfiffen. Am Freitag feierte Muser bei der Weihnachtsfeier der Schiris nun sein »aktives« Ende und blickt zurück: »Es war eine intensive, erlebnisreiche und wunderschöne Zeit für mich.« Mit Peter Jehle hat er über 300 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga geleitet. Es war eine Zeit, die Muser unvergessen bleiben wird. »Wir hatten fast keinen Ärger«, sagt er heute nicht ohne Stolz. Weil sie gut waren, weil sie auch mal Fehler eingestanden haben und weil sie ein kollegiales Verhältnis zu Funktionären und Spielern hatten, das ihnen dennoch die Objektivität über 60 Minuten nicht genommen hat.

Während heutzutage die Bundesliga- Schiedsrichter angehalten sind, vor und nach Spielende so wenig wie möglich mit den Mannschaften zu kommunizieren, blieben die Unparteiischen früher noch lange in der Halle. Der ehemalige Kfz-Mechaniker Muser, der später bei der Stadt Kehl arbeitete (»für den Handball habe ich 15 Tage Urlaub im Jahr gebraucht«), und der gebürtige Zunsweierer Jehle, lange Zeit Bürgermeister in Münstertal, haben das gerne getan. »Nach zwei, drei Stunden haben wir auch mal mit den Verantwortlichen oder den Zuschauern zusammen ein Lied gesungen«, schmunzelt Muser und erzählt eine witzige Anekdote. Mit Alfred Gislason, damals Trainer beim SC Magdeburg, hat er nach umstrittenen Entscheidungen zweimal um eine Flasche Wein gewettet. Nach der Videoanalyse später wanderte einmal ein guter badischer Rebensaft in den Osten, einmal kam ein flüssiges Präsent in die Ortenau.

Heute ist Alfred Gislason bekanntlich Trainer in Kiel, und in Sachen THW hatten Muser/ Jehle eine weitere Anekdote, die sich am 30. April 2000 in der damaligen »Festung « Ostseehalle zugetragen hat. Kiel hatte nach 870 Tagen wieder mal ein Heimspiel verloren – 29:30 gegen die HSG Nordhorn. Die Ortenauer hatten gepfiffen und wurden am nächsten Morgen am Bahnhof von Zuschauern erkannt. Einer stellte grinsend fest: »Gott sei Dank waren die Schiedsrichter in Kiel auch mal neutral.« Die Ortenauer haben es als Kompliment aufgefasst.

Mit 50 Bundesliga-Ende
Unvergessen auch der 50. Geburtstag im Januar 2001, den Roland Muser mit Familie und Freunden in der Halle in Marlen feierte und deswegen einen Schiri-Lehrgang verpasste. Irgendwann am Abend sind die ganzen Kollegen eingelaufen – Peter Jehle hatte hinter dem Rücken des Geburtstagskindes den Lehrgang ins nahe Oberkirch verlegt. Weil er den Lehrgang verpasste, musste Muser übrigens drei Wochen später in Marlen unter Beobachtung von DHB-Schiedsrichterwart Willi Hackl »nachsitzen«: Bei leichtem Schneefall musste er 2400 Meter in zwölf Minuten laufen, damit er auch für den Rest der Saison noch Spiele im Oberhaus pfeifen durfte. »Das war aber auch meinen Schiri-Kollegen gegenüber völlig korrekt «, sagt Muser heute.

Mit 50 Jahren hatte Muser in der Bundesliga die Altersgrenze erreicht, danach hat er nur noch auf Bezirks- und südbadischer Ebene gepfiffen. Und sich vor allem dem Nachwuchs gewidmet. Mit Wolfgang Kramer hat er sich die vergangenen Jahre stark um die Ausbildung der jungen Schiedsrichter verdient gemacht. Und ganz besonders freut Muser sich, dass es mit Fabian Baumgart (TuS Altenheim) und Sascha Wild (HC Hedos Elgersweier) zwei seiner einstigen »Azubis« in den Elite- Kader des Deutschen Handball- Bundes und sogar auf internationale Ebene geschafft haben. »Das ist ein Erfolg, der auch mich ein bisschen stolz macht«, sagt er ehrlich.

Schiedsrichter Bezirk Offenburg-Schwarzwald

Sascha Wild, Roland Muser und Fabian Baumgart. (Bild: Bürkle)

Ärger über Funktionär
Letztlich sind die Schiedsrichter im Bezirk Offenburg seit Jahren dort vertreten, wo die Vereine so schnell wohl nicht mehr hinkommen werden: in der Bundesliga. »Leider «, bedauert Muser und liefert passend noch mal eine Anekdote. Als Zuschauer eines der letzten Bundesligaspiele der damaligen SG Willstätt/Schutterwald bekam er von einem hochrangigen Funktionär des Südbadischen Handball-Verbandes zu hören: »Mir wäre es lieber, wenn das Schiedsrichtergespann Jehle/Muser absteigen würde als die SG W/S.« Vergessen hat Roland Muser das bis heute nicht. »Bei so einem Spruch weiß man, was man von so einem Funktionär zu halten hat.« Eingeladen ist der Mann morgen natürlich nicht.

Die Schiedsrichter des Bezirks Offenburg- Schwarzwald haben hatten am Freitag, 22.12. in der Riedhalle in Ichenheim einen kurzen Lehrabend, im Anschluss daran fand die Weihnachtsfeier mit einer großen Tombola statt, bei der Roland offizielle von Jochen Lehmann, Schiedsrichterwart des Bezirks Offenburg-Schwarzwald, verabschiedet wurde. Weitere Bilder.

Schiedsrichter Handballbezirk Offenburg-Schwarzwald

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