Lemgoer Jubel mit Ortenauer Unterstützung: Hinten Sascha Rauer; mittlere Reihe v. l.: Axel Simak, Henk de Weijer, Maximilian Lischke, Nico Eble; vorne v. l.: Fynn Hangstein, Frederik Simak, Bobby Schagen und Bjarki Mar Elisson. ©Privatfoto
Der gebürtige Friesenheimer Frederik Simak wurde mit dem TBV Lemgo am Freitag in Hamburg überraschend deutscher Pokalsieger. Anschließend gab es eine Feier mit Familie und Freunden aus der Heimat.

Noch am Montag klang die Stimme von Frederik Simak angekratzt und müde. „So oft wird man ja nicht Pokalsieger“, lachte der Friesenheimer, dem mit seinen Kollegen vom TBV Lemgo die größte Sensation im deutschen Handball der jüngsten Vergangenheit gelungen ist. Der krasse Außenseiter hatte am Donnerstag im Halbfinale erst Bundesliga-Tabellenführer THW Kiel mit 29:28 besiegt, und einen Tag später im Finale den mit Nationalspielern gespickten MT Melsungen beim 28:24 dominiert.

Bisher nur Zweiter geworden

Frederik Simak hatte endlich seinen ersten großen Titel gewonnen. Mit den Berliner Füchsen war er im Super Globe zweimal Zweiter geworden, genau wie im Europapokal. Auch mit der A-Jugend hat es nur zum Vizemeistertitel gereicht. „Jetzt habe ich endlich mal Gold“, freute er sich und schwärmte von der Medaille: „Sie ist vor allem schwer und sieht hammer aus.“

Gegen Melsungen bereits ausgeschieden

Der ehemalige Jugend- und Juniorennationalspieler verbindet mit dem DHB-Pokal eine besondere Geschichte. Mit den Füchsen Berlin war er im Dezember 2019 im Viertelfinale an Melsungen gescheitert. Doch dann kam Corona, und erst jetzt wurde der Pokalwettbewerb von 2019/20 weitergespielt. Und Simak war diesmal im Trikot des TBV Lemgo dabei.

Starkes Spiel im Finale

Noch im Halbfinale gegen Kiel war seine Einsatzzeit überschaubar, für Simak aber kein Problem: „Die Einsatzzeiten hatten sich die verdient, die auch dafür verantwortlich waren, dass die Mannschaft nun im Final Four stand“, zeigte er sich fair – schließlich sei es ja „auch komplett egal, wer spielt. Wir haben gewonnen.“
Vor dem Finale gegen Melsungen hatte er dann seine besondere Motivation. „Zweimal wollte ich gegen die nicht verlieren.“ Auf dem Parkett zeigte der Rückraumspieler, der 2017 von der SG Ottenheim/Altenheim nach Berlin gewechselt war, dann eine ganz starke Partie, erzielte zwei Tore, glänzte mit tollen Anspielen und stand sicher in der Abwehr.

Mega-Spaß nach dem Turnier

Perfekt machte die Freude des 23-Jährigen, dessen 2011 viel zu früh verstorbener Vater Norbert bei der SG Köndringen/Teningen einst mit Wolfgang Ehrler eine Ära geprägt hat, dass Familie und Freunde den Triumph miterleben konnten. Mutter Rita war ebenso in der Halle wie Bruder Axel, der für die SG Köndringen/Teningen spielt, sowie Henk de Weijer, Maximilian Lischke, Nico Eble und Sascha Rauer von der SG Scutro. Die „Frederik-Simak-Mafia“, wie sich die Freunde nennen, waren in der Barclay Arena in Hamburg unüberhörbar. „Ich kann mich glücklich schätzen, solche Freunde zu haben“, freute sich Frederik Simak. „Wir hatten einen Mega-Spaß.“

Kein offizieller Empfang

Erst in der Halle und danach in einer Bar in Lemgo. Angesichts Corona gab es in der alten Hansestadt zwar keinen offiziellen Empfang, doch die Feierlichkeiten gingen am Samstag weiter. Erst traf man sich auf dem Marktplatz, anschließend wurde bei einem Sponsor mit Familien und Freunden gegrillt.

Sieg am Sonntag ohne Training

Ohne Training mussten die Pokalhelden schon am Sonntag in der Liga bei der HSG Nordhorn wieder ran und machten bei ihrem 32:25-Sieg da weiter, wo sie in Hamburg aufgehört hatten. „Wir wollten einfach mit Emotionalität und Herz noch mal alles geben“, berichtete Simak und gab zu, dass „es nicht allen gut gegangen ist“.

Gesehen hat man das nicht, gehört dagegen schon. Verständlich: So schnell wird der Underdog aus Lemgo möglicherweise keinen großen Titel mehr gewinnen.

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