Arnold Manz leidet an der Bank mit seinen Spielerinnen. ©Frank Seiter
Fast 30 Jahre lang sichtete und trainierte Arnold Manz Südbadens beste Handballspielerinnen, jetzt ist Schluss. Der 65-Jährige aus Steinbach hört als Verbandstrainer auf.

Arnold Manz war seit zehn Jahren Spielmacher des SR Yburg Steinbach. Also einer mit kreativen Ideen für Lösungen auf dem Handball-Feld. Lange hatte er allen Verlockungen standgehalten, bis er dann im „fortgeschrittenen“ Alter von 28 Jahren den Wechsel zum TuS Schutterwald wagte, „weil ich mir in Armin Emrich mal einen guten Trainer angucken wollte“, wie er heute sagt. Diese Zusammenarbeit sollte sein Leben prägen. Denn in der Trainer-Ikone Emrich habe er sich „in vielem wiedergefunden“.

Seit 1992 beim Verband

Nach seiner Spielerkarriere trainierte Manz die Männer in Rotenfels, Sinzheim und Steinbach. Dann parallel die männliche A-Jugend des TuS Schutterwald und eine erste Mädchenmannschaft. Ende 1992 landete er beim Südbadischen Handball-Verband als Übergangslösung und ist fast 30 Jahre geblieben. „Ich fand das Arbeiten mit Mädchen immer hochinteressant. Mit ein bisschen Input kann man da sehr viel erreichen“, erklärt der Vater von zwei Töchtern, die mit ihren Handball-Karrieren dafür sorgten, dass Manz auch in seinem Heimatverein dem weiblichen Geschlecht auf die Beine geholfen hat.

Heute steht die SG Kappelwindeck/Steinbach für eine herausragende Jugendarbeit, die Frauen spielen in der 3. Liga. 2012 ist die weibliche B-Jugend sogar deutscher Vizemeister geworden. „Solche Momente kannst du nicht kaufen, die musst du dir erarbeiten“, schwärmt Manz.

"Reines Gewissen"

Das parallele Wirken in Verband und Verein ist dabei nicht immer geräuschlos verlaufen. Oft sei ihm vorgeworfen worden, Spielerinnen abzuwerben, erzählt der 65-Jährige: „Doch wenn sie oben mitspielen wollen, wechseln sie dahin, wo sie beste Möglichkeiten sehen. Da habe ich ein reines Gewissen.“
Manz hat dafür gesorgt, dass es keinen Stillstand gab. Von 2009 bis 2015 war er zusätzlich im Trainerteam der weiblichen Jugend-Nationalmannschaft. Zu einer Zeit übrigens, in der Emrich Frauen-Bundestrainer war und mit Martin Heuberger und Chris Armbruster zwei weitere ehemalige Schutterwälder Teamkollegen die Junioren- bzw. Jugend-Nationalmannschaft coachten.

Emrich sollte eine ganze Trainer-Generation prägen. „Von ihm habe ich gelernt, dass man sich immer neu definieren, sich verändern muss. Neue Reize machen einen guten Trainer aus“, ist Manz überzeugt. Bei Emrich, „einer herausragenden Persönlichkeit und absolut glaubwürdig“, habe er gespürt, dass der Handball Berufung sei.

Erlebnispädagoge

Arnold Manz war auch fast 40 Jahre „bekennender Hauptschullehrer“. Vielen Talenten hat er dabei auf die Sprünge geholfen. Zuletzt in Baden-Baden, davor lange in Sandweier. Der „Naturbursche“, wie sich der begeisterte Sportler und Hobby-Landwirt selbst bezeichnet, war gerne auch Erlebnispädagoge. Hüttenaufenthalte und Radtouren empfand er als „genauso wichtig wie biochemische Formeln“.
Als Verbandstrainer hat es ihn stolz gemacht, „mit unseren kleinen und engen Strukturen in Deutschland immer wieder für Furore zu sorgen“. Manz erinnert daran, dass Südbaden vor dem Zusammenschluss zur ARGE Baden-Württemberg im Ranking der 20 Landesverbände mit Jungs und Mädchen auf Rang fünf notiert war.

Bekannte Namen sind durch seine Schule gegangen. Saskia Lang (Lörrach) gehörte viele Jahre der Nationalmannschaft an, Kira Eickhoff (Schramberg) spielte lange Bundesliga, Alica Burgert (Schutterwald), von allen vielleicht die Talentierteste, durchlief von der Jugend bis zu den Juniorinnen alle DHB-Teams, Selina Margull (Schutterwald) wurde U17-Europameisterin. Laetitia Quist (Sandweier), die künftig in Blomberg-Lippe spielen wird, hat glänzende Perspektiven. Doch für Manz, der den Trainerjob mit Leidenschaft ausübt, musste es nicht immer die Karriere im Nationaltrikot sein. „Mich haben auch Spielerinnen beeindruckt wie Lena Echle aus Ohlsbach, die aus ihren Möglichkeiten 150 Prozent rausgeholt haben.“ Nicht immer sei Talent entscheidend. „Man braucht auch Willen und Biss, um oben anzukommen.“

"Superjahrgang 2006"

 

Den hatten nicht alle. Noch heute schmerzt es ihn, „wenn ich Spielerinnen, die in ihrer Jugend so lange oben dabei waren, nachher in der Landesliga und mit der Sektflasche an der Theke sehe“. Grundsätzlich spricht er Mädchen und Frauen indes eine große Portion Ehrgeiz zu. „Sie trainieren mehr mit einem Ziel. Wenn sie sich für den Sport entschieden haben, sind sie klarer und leistungsorientierter“, findet Manz und hat festgestellt, dass sich das auch in der Schule widerspiegelt. „Die richtig guten Handballerinnen haben alle in der Regel einen Notenschnitt von einer Eins Komma.“

In den letzten Wochen seiner Verbandstätigkeit blutete jedoch das Herz. Gerne hätte der Trainer einen „Superjahrgang 2006“ bei der Sichtung gezeigt. Doch alles ist wegen Corona abgesagt worden. Es seien zwei harte Jahre gewesen, „in denen die Mädchen keine Erlebnisse hatten, die sie bei Laune halten. Für sie tut es mir unendlich leid“, fühlt Manz mit. Er hat darum gekämpft, dass im Juni noch zwei Turniere gespielt werden dürfen, dass auch das traditionelle Sommercamp stattfinden wird. „Wir sind es diesen Spielerinnen einfach schuldig gewesen, dass sie noch einen schönen gemeinsamen Abschluss bekommen. Das darf auch nicht am Geld scheitern“, findet Manz, der in dieser Beziehung so manchen Grabenkampf ausgefochten hat. „Da macht man sich auch unbequem“, sagt er ehrlich.

Vor Ort sein

Nun ist Schluss beim Verband. „Das liegt zum einen an einem Datum in meinen Personalausweis“, schmunzelt der 65-Jährige, andererseits „wollte ich nur solange in der Halle stehen, wie es für mich und mein Umfeld okay ist“. Allerdings hat er signalisiert, dass er seinen Nachfolger Simon Rittemann, der noch im Referendariat steckt, bei Bedarf unterstützen wird.

Und Manz ist gespannt, wie sich der südbadische Handball positionieren wird. Die Entwicklung hin zu einem baden-württembergischen Verband hat er mit einer gewissen Skepsis verfolgt. „Je weiter die Leute weg sind, die agieren, desto schwieriger wird es. Man muss die Spieler und Spielerinnen vor Ort kennen“, mahnt er und hat ein bisschen die Befürchtung „dass Südbaden abgehängt wird“. Die Corona-Pandemie tue ihr Übriges. „Es wird Verluste geben. Unsere Aufgabe wird es sein, im Sommer jede freie Stunde in Sportangebote zu investieren.“

Unterstützung im Verein

Ein Jahr will Arnold Manz bei der SG Kappelwindeck/Steinbach als Trainer bei Frauen (3. Liga) und A-Juniorinnen noch weitermachen. Ralf Kotz, der Coach der zweiten Mannschaft, wird ihn weiter unterstützen, Rudi Fritsch einmal in der Woche. Auch die aus Karlsruhe stammende ehemalige Bundesligaspielerin Hannah Breitinger schaut schon mal im Training vorbei. „Ich will den Mädels einfach auch mal ein anderes Gesicht präsentieren“, betont Manz, der sich im Verein zudem weiterhin um die Organisation und die Konzepte von weiblicher C-Jugend bis Frauen kümmern wird.

Langweilig ist es ihm im Ruhestand also nicht. In der Pandemie hat er das Laufen und die Loipen im Schwarzwald wieder entdeckt, er ist begeisterter Kajakfahrer, schwimmt im Sommer jeden Tag und hat sich neben dem dritten VW-Bus, mit dem er eigentlich große Reisen machen wollte, auch ein E-Mountainbike zugelegt.

Seniorenarbeit

Neuerdings ist Arnold Manz mit Freunden auch in der Seniorenarbeit der Gemeinde Steinbach tätig. „Früher waren wir in der Katholischen Jugend, jetzt kümmern wir uns um die Jung-Senioren, die nicht alt werden“, lacht er. Um Menschen, die zumindest ein bisschen wie er selbst sind – denn: „Stillhalten kann ich nicht.“

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