Handball-Drittligist kommt nach 8:14-Pausenrückstand noch zu einem 26:26.

Dieses 37. Duell der beiden Teams wird in die Derby-Geschichte eingehen. Mit dem letzten Aufgebot luchste Handball-Drittligist dem Spitzenteam TSB Horkheim beim 26:26 einen Zähler ab. Das hatten selbst kühnste Optimisten nicht für möglich gehalten. Nach einem 8:14-Pausenrückstand lieferte das Heineke-Team eine phantastische zweite Halbzeit ab, hatte sogar den Sieg vor Augen, bejubelte aber auch das unerwartete Remis ausgelassen.

Beim HCOB klemmte es personell, vor allem im Rückraum: Tobias Hold, Jonas Frank, Kevin Wolf und Ruben Sigle fehlten. Immerhin konnte Florian Schöbinger mitmischen, darauf hatte nach dem Abschlusstraining auch keiner gewettet. Philipp Maurer, bis zuletzt krank, mischte eine Halbzeit im halbrechten Rückraum mit, dann musste er raus. Julian Diederich, zuletzt in der Vierten am Ball, half aus und feierte sein Drittligadebüt.

Einfach die Punkte mit der Post in den Heilbronner Süden schicken kam für das Rumpfteam aus dem Murrtal trotzdem nicht in Frage. Trainer Matthias Heineke gab seinen Jungs mit auf den Weg, das Tempo nicht hoch werden zu lassen. Ein hektisches Auf und Ab lag mit diesem schmalen Kader nicht drin. Das gelang anfangs gut, die Abwehr stand solide, obendrein ließen die Horkheimer ein paar Gelegenheiten liegen. Es blieb eine torarme Begegnung mit gerade mal zwei Toren Rückstand nach 20 Minuten (5:7).

Allerdings taten sich die Gäste im Angriff schwer, das Horkheimer Bollwerk zu überwinden. Immerhin gelang es den einen oder andern Siebenmeter zu ziehen. Die verwandelte Benjamin Röhrle sicher, in Summe waren es in Durchgang eins trotzdem nur acht Tore. Bei Horkheim kam Jugendnationalspieler Sebastian Heymann nach einer Viertelstunde gut in Fahrt. Er hatte wesentlichen Anteil daran, dass der TSB bis zur Pause auf 14:8 enteilte. Es sah schon verdächtig nach einem Heimsieg für die Hausherren aus. Und beim HCOB musste Torwart Sven Grathwohl raus, der nächste verletzte Spieler.

Vielleicht nahmen es die Horkheimer deshalb auch nicht übertrieben ernst, als der HCOB die ersten beiden Tore in Durchgang zwei erzielte. Nach 39 Minuten hatten die sechs Tore Differenz wieder Bestand, und in dieser Phase wäre durchaus auch vorstellbar gewesen, dass der TSB die Partie frühzeitig zu seinen Gunsten entschieden hätte. Doch ausgerechnet eine Zeitstrafe für Diederich hatte Signalcharakter für die Gäste, die in Unterzahl zwei Tore erzielten, aber keines kassierten. Sie begannen, an die Handball-Überraschung zu glauben.

Die Abwehr wurde immer besser, Torwart Thomas Fink hielt klasse, die Horkheimer fanden nicht mehr zu ihrer Linie. Der HCOB spielte vorne weiter geduldig, holte regelmäßig Siebenmeter heraus und kam immer näher heran. Mehrfach gelang es den Gästen sogar, Nadelstiche durch Kontertreffer zu setzen. Als Florian Schöbinger in der 53. Minute aus dem Rückraum zum 22:22 traf, war die erste Überraschung schon perfekt: Dass das Heineke-Team in der Schlussphase um den Sieg spielen würde, das hätte kaum jemand vorhergesagt.

Die Horkheimer legten noch mal eine Schippe drauf, setzten sich erneut auf 24:22 ab (54. Minute). Doch Röhrle machte das beim Siebenmeter ganz locker. Pascal Welz und Linus Matthes konnten sich im Horkheimer Tor abwechseln, wie sie wollten, der Gästespieler traf. 90 Sekunden vor Spielende besorgte er mit dem 26:25 in höchster Zeitspielnot sogar die Führung, dieses Mal entschlossen aus dem Spiel heraus.

Doch noch war nichts erreicht. Heymann glich umgehend aus, und der HCOB verlor den Ball, weil ihn Philipp Schöbinger am Kreis nicht zu fassen bekam. Horkheim nahm eine Auszeit, suchte Sekunden vor dem Abpfiff den finalen Abschluss. Doch die Abwehr der Gäste stand, eroberte den Ball, spielte einen letzten Konter. Florian Frank hatte den Siegtreffer auf der Hand. Doch nun hielt Welz, rettete seinem Team mit der Sirene einen Punkt.

Die Gäste waren aber nur für Sekundenbruchteile enttäuscht, dann wurden sie von ihren Anhängern begeistert gefeiert: Schon das Remis war angesichts der personellen Voraussetzungen eine handballerische Glanzleistung.

Stimmen zum Spiel
Matthias Heineke: „Wir haben die Horkheimer mit unserer Aufstellung heute ganz sicher nicht mit dem Erwarteten konfrontiert. Wir hatten am Donnerstag im Training die Konstellation, dass fünf von sechs Rückraumspielern auszufallen drohten, wenigstens konnte Florian Schöbinger nun doch spielen. Trotzdem waren wir natürlich auf alles vorbereitet, aber sicher nicht darauf, dass wir hier einen Punkt mitnehmen. Wir hatten uns vorgenommen, das Spiel mangels Wechselmöglichkeiten langsam zu machen, das ist uns teilweise auch gelungen, aber zugleich haben wir in der ersten Halbzeit auch im Angriff keinen Schwung aufgenommen. Horkheim ist so ohne großen Aufwand sechs Tore weg. In der zweiten Halbzeit haben wir dann Schritt für Schritt in das Spiel gefunden. Torwart Thomas Fink war von Wiederbeginn an sofort da und hat uns ins Spiel gebracht. Und irgendwann ist dann auch der Glaube gekommen, dass wir sogar in dieser außergewöhnlichen Konstellation etwas bewegen können.“

Jochen Zürn: „Wir hatten gegen den HC Oppenweiler/Backnang endlich mal eine richtig gute Kulisse, leider konnten wir aber unseren Fans keine Freude machen. Das Unentschieden ist das absolut korrekte Ergebnis. Für uns ist es eine gefühlte Niederlage, angesichts der Parade von Torwart Pascal Welz in der letzten Sekunde aber eigentlich noch ein Punktgewinn. Wir haben in der ersten Halbzeit klar dominiert, haben dabei sehr gut gedeckt und uns auch gut bewegt. In der zweiten Halbzeit ist das Spiel gekippt, vor allem als wir unsere Überzahl mit 0:2 verloren haben, da kam beim HCOB der Glaube. Wir waren auf der rechten Abwehrseite schwach, haben leichte Fehler gemacht, deshalb geht das Ergebnis, wenn man beide Halbzeiten zusammennimmt, wohl für beide in Ordnung.“ Text und Foto: Alexander Hornauer

TSB Horkheim: Pascal Welz, Linus Matthes (Tor), Marcel Lenz (4/1), Tobias Gehrke (3), Frederik Griesbach, Alexander Schmid (4), Daniel Grosser (1), Sebastian Heymann (8), Sascha Laurenz, Janik Zerweck (5), Stefan Fähnle, Andreas Blodig (1), Hendrik Bohnenstengel. – Trainer: Jochen Zürn.

HC Oppenweiler/Backnang: Thomas Fink, Sven Grathwohl (Tor), Florian Frank (2), Chris Hellerich (1), Lukas Köder (3), Tom Kuhnle (1), Philipp Maurer (1), Benjamin Röhrle (11/8), Florian Schöbinger (4), Philipp Schöbinger (3), Julian Diederich. – Trainer: Matthias Heineke.

Schiedsrichter: Vitali Ohm (Dietenheim) und Waldemar Ohm (Illertissen).
Zuschauer: 650.
Siebenmeter: 1/1 : 8/8.
Zeitstrafen: 6:2 Minuten (Heymann, Zerweck, Fähnle – Diederich).

Spielverlauf: 3:3, 10:5, 14:8 – 17:12, 21:18, 22:22, 26:26.

TSB Heilbronn-Horkheim  HC Oppenweiler/Backnang

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