Die Entscheidung über den Aufstieg in die zweite Handball-Bundesliga fällt in der Gemeindehalle in Oppenweiler. Der HC Oppenweiler/Backnang empfängt im krönenden Final-Rückspiel einer spannenden Aufstiegsserie den VfL Eintracht Hagen. Die Mannschaft von Trainer Matthias Heineke geht am Samstag (20 Uhr, Gemeindehalle) mit fünf Toren Rückstand in die Partie. Eine schwierige Ausgangslage, aber: Mit einem fantastischen Heimspiel kann der Aufstieg gelingen.

 Als Mitte März, einige Tage vor dem Start der Aufstiegsrunde, nach den Favoriten gefragt wurde, fiel ein Name am häufigsten: VfL Eintracht Hagen. Zurecht, wie sich zeigt: auch vor dem letzten Match ist die Ausgangslage für die Westfalen günstig, das Ziel zum Greifen nahe. Den HC Oppenweiler/Backnang hatte vor dem ersten Match kein Experte auf dem Zettel. Es ist deshalb einigermaßen verrückt, dass die letzte Entscheidung dieser Serie ausgerechnet in der kleinen Sportstätte im Murrtal fällt. “Darauf hätte zumindest niemand gewettet”, vermutet Trainer Matthias Heineke. “Es zeigt, wie außergewöhnlich die Jungs diese sich bietende Chance genutzt haben.” Platz eins in der Vorrundengruppe, der dramatische Sieg in der Zwischenrunde gegen den TuS Vinnhorst – und nun die Chance, in Spiel Nummer zehn das ganz große Ding zu drehen.

Als der HCOB sein Team für die Aufstiegsrunde meldete, gab es Zweifler und Skeptiker. Das Handballteam aus dem Murrtal überzeugte viele davon mit guten Leistungen. Trainer Matthias Heineke sagt: “Mich freut es wahnsinnig, dass wir als Verein einfach das Positivste aus dieser Situation gemacht haben. Wir haben es in die Hand genommen, sind ein gewisses Risiko eingegangen – und haben uns für diese Mut belohnt, weil wir als Mannschaft und als Verein in den vergangenen Monaten enorm vorangekommen sind.” Und nun besteht die Chance, noch einen Schritt zu machen: Der Sprung in Liga zwei lockt und ist Ansporn für alle, 60 Minuten durchgängig alles für den sportlichen Erfolg zu geben.

Trainer Matthias Heineke sagt zur sportlichen Ausgangslage: “Die ist klar. Wir müssen fünf Tore aufholen. Und das ist natürlich eine große Aufgabe, noch dazu gegen ein Team, dass sich im Torewerfen im Hinspiel schon leichter getan hat als wir.” Es braucht also eine fantastische Leistung seines Team, “in der Tat: wir wissen, dass alles für uns laufen muss. Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um uns in einen solch notwendigen Flow zu spielen.” Und: es ist ein Vorteil, am Ende der Runde, im alles entscheidenden Match, in der Gemeindehalle in Oppenweiler zu spielen, denn: “Wir haben zuhause eine höhere Qualität.” Vier Siege in vier Aufstiegsspielen unterstreichen diese Aussage: "Wenn wir von Beginn an in Führung gehen können, erhöht es unsere Chancen immens.” Dann steigt das Selbstvertrauen, und der Mut verleiht den Handballern in den grünen Trikots Flügel.

Im Hinspiel verlor der HCOB in Hagen mit 31:36. „Wir haben gesehen, dass einige taktische Lösungen sehr gut gegriffen haben und andere nicht“, sagt Matthias Heineke. „Die erfolglosen können wir streichen und noch einmal neue Lösungen erarbeiten. Besonders in der Abwehr können wir uns dabei deutlich steigern im Vergleich zum Hinspiel.“ Da hatten es die mit allerdings auch großer Durchschlagskraft versehenen Eintracht-Angreifer das eine oder andere Mal einen Tick zu einfach. Nur wenn es gelingt, deutlich weniger Tore zu kassieren, erscheint die Handball-Überraschung denkbar.

Erfreulich für alle Beteiligten: Das Final-Rückspiel kann vor Zuschauern ausgetragen werden. Es sind zwar – verglichen mit dem, was man sonst an Fans in der Gemeindehalle sieht – weniger. Nur Sponsoren und Dauerkartenbesitzer können zusehen, und selbst aus diesem Kreis muss angesichts der Corona-Restriktionen gelost werden. Aber wer sich ans erste reguläre Drittligaheimspiel dieser Saison gegen den HC Erlangen II erinnert, der weiß: die Halle kann trotzdem zum Hexenkessel werden. Trainer Matthias Heineke sagt: „Das haben sich die Jungs verdient – und es bedeutet vor allem den Spielern, die ihr letztes Spiel im grünen Trikot machen, sehr viel.“ Philipp Schöbinger und Evgeni Prasolov laufen letztmals für den HCOB auf, Johannes Csauth wechselt zur neuen Runde intern ins Verbandsligateam. Mit dem Final-Rückspiel haben sie die maximal große Bühne für ihren letzten Auftritt – und gemeinsam mit ihrem Team eine ganz besondere Chance.

Rund ums Spiel

Der HCOB muss für den Aufstieg mit sechs Toren Vorsprung gewinnen. Fünf könnten auch reichen, dann darf Hagen aber maximal 30 Tore werfen, also zum Beispiel 35:30, 34:29 oder 19:14. Siegt der HCOB mit 36:31, dann folgt unmittelbar ein Siebenmeterwerfen. 2014 gab es ein solches schon einmal in einem Aufstiegsduell zwischen dem TuS Ferndorf und dem HSC Bad Neustadt, das allerdings einen Haken hatte: es war nur vorsorglich ausgetragen worden. Die Siebenmeterkönige aus Bad Neustadt verblieben trotz ihrer Nervenstärke in der Dritten Liga. Das kann einem möglichen Sieger dieses Mal nicht passieren

Wenn der HCOB gewinnt, darf er auch tatsächlich in der zweiten Liga spielen. Der wirtschaftliche Teil des Lizenzantrages wurde von der Handball-Bundesliga bereits geprüft und für in Ordnung befunden.

Die Partie wird von den Schiedsrichtern Christian Hannes (Aachen) und David Hannes (Frankfurt) geleitet. Sie sind eins von fünf deutschen Teams, die internationale Spiele leiten. Die HCOB-Handballer kennen sie bereits vom Spiel bei der HSG Krefeld Niederrhein. Jürgen Hilfinger aus Ulm, Schiedsrichterlehrwart der Dritten Liga, fungiert als Technischer Delegierter.

Die Begegnung wird live auf Sportdeutschland.TV übertragen. Wer zusehen möchte, braucht ein Ticket für 4,50 Euro und einen Account.

Der andere Zweitliga-Aufsteiger wird am Samstag bereits ab 15 Uhr ermittelt. Der 1. VfL Potsdam erwartet den HC Empor Rostock, startet dabei mit einem Tor Rückstand ins Rückspiel.

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